Bitte berühren! – Eine Einladung zum Forschen, Spüren und Fühlen

Die Haut ist unser größtes Organ sinnlicher Wahrnehmung. Als Grenzorgan übernimmt sie die Kommunikation zwischen Innen und Außen. Sie schützt das Innen und bleibt dennoch durchlässig, empfindsam und flexibel gegenüber dem Außen. Über Millionen von Rezeptoren empfangen wir eine Vielzahl an Informationen wie Temperatur, Schmerz, Druck, Vibrationen und Berührungen, die unsere Wahrnehmung der uns umgebenden Welt und unsere Eigenwahrnehmung prägen. »Wir denken uns nicht selbst, wir fühlen uns« (Martin Grunwald, Homo hapticus).

Die erste Sprache, die wir erlernen, ist das Erkennen und Einordnen von Berührungen (taktile Wahrnehmung) und über das erste, tastende Begreifen erschließen wir uns die Welt (haptische Wahrnehmung). Der Begriff haptikós kommt aus dem Griechischen und bedeutet zum Berühren geeignet. Nun leben wir in einer Zeit, in dem immer weniger zum Berühren geeignet scheint. Sowohl der eigene Körper (Selbstberührungen im Mund-Nasen-Bereich), als auch das zu erforschende Außen, welches nicht aus glatten, ungefährlichen und desinfizierten Oberflächen besteht, wird zur Sperrzone für die haptische Wahrnehmung erklärt. Doch um mit der Welt in Kontakt zu kommen, müssen wir sie begreifen, nicht bloß betrachten. Mehr noch als für den erwachsenen Menschen gilt dies für Kinder.

Das zweitägige Fachforum soll die Bedeutung des Tastsinnessystems in den darstellenden Künsten, insbesondere im Theater für die Jüngsten, in den Fokus rücken. Wir möchten den Themenkomplex »Haut und Berührung« interdisziplinär beleuchten, um Impulse für die künstlerische Auseinandersetzung und die Entwicklung neuer Formate zu gewinnen und um einen Raum für Austausch über die eigene Verortung in dieser veränderten Zeit zu schaffen. Wie können wir von unserer Haut lernen, dass Schutz und Berührbarkeit nicht unvereinbar sein müssen? Wie könnte ein Theater der Haut aussehen? Warum ist das Berührt-werden so wichtig und erfüllend für uns und wie kann es im pandemischen Kontext gelingen?

Diesen und anderen Fragen werden wir in Forschungslaboren (Reiner Delgado, Michaela Millar, Olga Ramirez Oferil), Vorträgen aus Philosophie (Prof. Dr. Wilhelm Schmid) und Neurowissenschaft (Dr. Rebecca Böhme), sowie einem begleitenden digitalen Berührungsarchiv nachgehen.

Die Vorträge und der anschließende Austausch werden am 14. September live übertragen. Es ist möglich an diesem Teil der Veranstaltung via Zoom teilzunehmen. Im Gegensatz zur Präsenzteilnahme ist hierfür keine Anmeldung nötig.
» Link zum Zoom-Raum der Veranstaltung

Ablauf

Dienstag 14.09.2021
  13:00 - 16:00 Uhr Forschungslabor 1: Skinhunger/hungrige Haut + Eröffnung Berührungsarchiv
Eine gemeinsame Forschungsreise: Wie erschließt sich uns die Welt über das Tastsinnessystem? Was erinnert die Haut? Wie beeinflussen taktile Reize unsere Empfindungen?
  18:00 - 22:00 Uhr Vorträge:
Dr. Rebecca Böhme | Der Wert der Berührung - Verbundenheit, Nähe und Kommunikation
Prof. Dr. Wilhelm Schmid | Zur Kraft der Berührung 
Eine Neurowissenschaftlerin und ein Philosoph sprechen über die Bedeutung der Haut und von Berührungen.
  anschließend Austausch
Mittwoch 15.09.2021
  13:00 Uhr Input Reiner Delgado
  anschließend bis 17:00 Uhr Forschungslabor 2: Ein Theater der Haut (inklusive Pause)
Wir wollen uns damit beschäftigen, wie visuelle Reize in taktile Reize übersetzt werden können. Ist es möglich, ein Theater der Haut zu denken, auch unter pandemischen Bedingungen? Welche Voraussetzungen braucht es, um gemeinsam Theater zu erleben, unabhängig von den persönlichen sensorischen Möglichkeiten?

Anmeldung

Die Teilnahme ist kostenfrei. Um Anmeldung wird gebeten. Zur Anmeldung bitte dieses verlinkte Formular vollständig ausfüllen und absenden.
Das Formular ist leider nicht für Screen Reader optimiert. In dem Fall ist eine Anmeldung auch per E-Mail möglich: annea(at)theater-on.de

Wiesenburg Halle (Wedding)

Wiesenstraße 55, 13357 Berlin
S41 | S 42 | U6 Wedding, S1 | S2 | S25 | S26 Humboldthain


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